Die ethische Relevanz der ästhetischen Kontemplation
DOI:
https://doi.org/10.5007/1677-2954.2012v11nesp1p253Abstract
Schopenhauers hat seine Philosophie von der Welt als Wille und Vorstellung als Gesamtsystem in vier Teilen durchgeführt: Die Einheit des Wesens der Welt wird sichtbar im Ausgang vom willens- und zweckbestimmten natürlichen Erkennen (1. Buch) über die Erkenntnis der Erscheinungshaftigkeit (Objektität) des Willens am eigenen Leib (2. Buch) und die Möglichkeit der willensfreien, idealen Erkenntnis in der ästhetischen Kontemplation (3. Buch) bis zur Durchschauung des principium individuationis, d.h. der Selbsterkenntnis des Willens (4. Buch). In diesem Beitrag wird die Theorie der ästhetischen Kontemplation als eine Philosophie des Bewusstseins aufgefasst, die die zentrale Bedeutung des dritten Buches für das Gesamtsystem legitimiert. Dabei steht die spezifische Geisteshaltung der Besonnenheit im Zentrum der Betrachtungen, insofern sie Erkenntnisbedingung und Kennzeichen der menschlichen Moralität ist. In der Realität der ästhetischen Kontemplation zeigt sich demnach schon die Moralitätsfähigkeit des menschlichen Bewusstseins als Bedingung der Möglichkeit moralischen Handelns.
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